Taubenvergrämer aus aus aus

Ach, nee, doch nicht

Gedanken während des Smalltalks

Seit 5 Minuten führe ich Smalltalk und noch immer bin ich nicht eingeschnappt. Ungewöhnlich. In der Regel verlasse ich spätestens nach 3 Minuten türenschlagend oder weinend den Raum – egal, um welches Thema sich das Gespräch gedreht hat. Ich kann mich sogar über das Wetter unterhalten und bin dennoch von einer Sekunde auf die nächste tierisch eingeschnappt.

Viele sagen: grundlos. Was sie aber nicht wissen: Ich bin ein Meister darin, Körpersprache zu lesen. Erfahrungsgemäß dauert es maximal fünf Minuten, bis mein Gegenüber zum ersten Mal unterschwellige Signale sendet, von meiner Gegenwart angepisst zu sein. Er muss sich seiner Verachtung noch nicht einmal bewusst sein. Kennt man ja beim Menschen: Das Gefühl ist schneller als der Verstand. Und der Körper sendet schon, wenn der Geist noch sag: “Grumpf!”

Doch in diesem Gespräch ist das anders. Auch nach 5 Minuten bin ich nicht einmal ansatzweise eingeschnappt. Stumpfe ich ab? Oder ist mein Gegenüber ein besserer Schauspieler als alle meine Gesprächspartner zuvor? Ich kann seine Körpersprache noch so gründlich in Augenschein nehmen, den Kerl von unten bis oben intensiv beäugen – ich finde partout kein Anzeichen für Verachtung oder Überdruss.

Da ist eins! Ach, nee, doch nicht.

Am Ende behauptet er noch, wir hätten uns rauschend unterhalten. Weiß er denn nicht, wer ich bin?

Ich werde ihm offen sagen, dass er sich nicht länger zusammenreißen muss. Dass er die Zügel in unserem Gespräch gern anziehen kann, ruhig ab und zu abfällig auf mich herabblicken oder angeekelt lächeln kann. Ganz selbstlos ist mein Offenheit allerdings nicht: Ich brauche dringend einen Vorwand, türenschlagend oder weinend den Raum zu verlassen.
Halte es mit diesem dummschwätzenden Vollidioten nicht länger aus.

Written by januwefitz

Mai 24th, 2012 at 9:50 am

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