Vor Hochstaplerstädten wird gewarnt
Man könnte meinen, ich mache es mir einfach, dass ich immer wieder auf alte Einträge zurück greife. Doch das meine ja nur ich, andere merken das gar nicht, weil ja keine Sau außer Uli dieses Blog liest. Dass ich heute nochmal einen alten Fall aufrolle, hat damit zu tun, dass sich sensationelle Verwicklungen ergeben haben:
Sie erinnern sich, dass ich vor einiger Zeit mit einem Ex-Gondoliere, einem Taxifahrer und einem Tisch auf dem Rückweg von Venedig nach Klein-Mettner war? Wir machten Station in einem kleinen Gasthaus am Brenner und waren ziemlich durch den Wind, nicht zuletzt weil wir den Tisch mit uns herumtragen mussten. Wir setzen uns mit unserem Tisch an einen Tisch, und während wir noch ob der hinter uns liegenden Strapazen heftig keuchten, setzten sich zwei mysteriöse Herren zu uns. Einer von ihnen trug einen Trenchcoat und einen Schlapphut, der andere nur einen Schlapphut. Dafür hielt er eine Zeitung vor sein Gesicht. Mit zwei ausgeschnittenen Gucklöchern, durch die er uns scharf anblickte. Die beiden sahen sich verschwörerisch über die Schultern um, so als vermuteten sie, verfolgt oder beobachtet zu werden. Irritierenderweise sahen sie sich über die Schulter des jeweils anderen um. Dann richtete der Typ mit Trenchcoat und Schlapphut das Wort an uns:
„Benehmen Sie sich unauffällig.“
Dem leisteten wir Folge – so gut das einem Taubenvergrämer, einem Ex-Gondoliere mit heraushängendem Auge, einem Ex-Taxifahrer und einem Tisch, die von zwei mysteriösen Gestalten angesprochen werden, möglich ist. Wir pfiffen unschuldig, drehten die Köpfe in verschiedene Richtungen und schauten zur Decke des Gasthauses.
„Mir scheint, sie haben keine Ahnung, wie man sich unauffällig benimmt. In meiner Freizeit gebe ich Kurse, einen davon sollten sie mal besuchen.“ murmelte eine der beiden Gestalten.
Dann schlüpfte der Typ im Trenchcoat blitzschnell aus seinem Mantel, reichte ihn an seinen Begleiter weiter, der ebenso schnell hineinschlüpfte. Letzterer erklärte: „Leider reicht das Budget unserer Behörde nur für einen einzigen Mantel, in dem wir mysteriös aussehen. Deshalb teilen wir uns den. Bitte haben Sie Verständnis für eventuell auftretende Wartezeiten. Sehen Sie den Mann da drüben am Tisch?“
„Nein.“
„Echt nicht? Der mit der Brille und dem Dreitagebart?“
„Nein.“
„Dann hattest Du doch recht, Ede“ sagt er zu seinem Partner. Da sitzt wirklich niemand.“
Dann tauschte er wieder blitzschnell den Mantel mit seinem Partner, der, wie wir erfahren haben, Ede heißt. Nachdem Ede den Mantel wieder angezogen hatte, zeigt er uns ein Foto von einem Dorf mit vielen Heuballen. Ein gelbes Ortsschild verrät „Gruckheim“. Dann ergreift sein Partner wieder das Wort. Allerdings nicht ohne vorher von seinem Partner wieder den Mantel zurück zu bekommen und in ihn hineingeschlüpft zu sein.
„Kennen Sie dieses Dorf?“
Ich schaute mir das Foto eingehend an, antworte:
„Nein.“
Er steckte das Foto wieder ein und zog ein zweites heraus. Eines von Venedig.
„Vielleicht kennen Sie diesen Ort?“
„Ja, klar. Das ist Venedig. Da waren wir gerade.“
Dann zig er wieder den Trenchcoat aus und sein Partner ihn an. Der führte aus:
„Das ist genau das Problem. Wir gehen davon aus, dass Sie nicht in Venedig waren, sondern in Gruckheim. Sie sind einer Hochstaplerstadt aufgesessen.“
„Nein!“
„Doch! Während Sie dachten, Sie seien in Venedig, waren Sie in Wirklichkeit in Gruckheim, das sich nur als Venedig ausgegeben hat. Das aber zugegebenermaßen, täuschend echt.
„Ich fühle mich so beschmutzt, so benutzt.
„Ja, Sie schauen auch verdutzt.“
Die Tränen rannen mir über das Gesicht, komischerweise waren es die Tränen des Taxifahrers, der wie kein Zweiter die Kunst des Fremdweinens beherrschte.
Lesen Sie morgen, übermorgen oder sonst wann: Wie konnten wir auf die Hochstaplerstadt hereinfallen? Wo liegt Grucksheim überhaupt? Und war die Rechnung, die mir der Taxifahrer seinerzeit präsentierte nicht zu hoch?

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Demnächst in diesem Theater
Von dem, was Du genommen hast, hätte ich auch gern etwas! ;-)
buchstaeblich
20 Mai 08 at 12:34
Smacks mit Schnaps wirken Wunder
januwefitz
20 Mai 08 at 12:47
Herr Fitz, da stimmt was nicht. Ich meine, in Ihrer Geschichte. Da ich Ihr gesamtes Archiv dreimal durchgeblättert habe, weiß ich, dass Sie Meister sind in der Fähigkeit des Stuhlwerdens. Sie hätten also Stuhl werden können, als die mysteriösen Männer auftauchten. Einer hätte sich auf Sie gesetzt, Sie wären ein paar Schritte gegangen und der Mysteriöse hätte ganz schön in der Scheiße gesessen.
Wenn Sie das jetzt nicht verstanden haben, macht das nichts. Ich wollte ja auch was ganz anderes sagen. Der Fehler in der Geschichte: Sie waren nicht auf dem Rückweg nach Klein-Mettner! Sie kommen doch aus Juf, Sie Fitz. Stimmt’s? Ja. So, werden Sie jetzt für mich zum Sofa? Ermattet aber herzlich, Ihre FrauvonWelt.
FrauvonWelt
20 Mai 08 at 16:24
Ich glaube ich muss mich erstmal auf mich selbst legen.
januwefitz
20 Mai 08 at 16:55
Herr Fitz, pssst, da sitzt ne Taube.
FrauvonWelt
20 Mai 08 at 22:27
Wo? Der werde ich was erzählen, werde ich
januwefitz
21 Mai 08 at 05:44