Hört mir doch mit dieser Lesung auf
Die Schwächen anderer sind dazu da, dass man auf ihnen herum reitet. Oder sie in der Öffentlichkeit schadenfroh herausstellt. Die dritte Alternative: den Betroffenen so brutal wie möglich damit konfrontieren – nicht damit er lernt, mit den Schwächen umzugehen, sondern um ihn zu verletzen.
Doch es gibt eine Ausnahme. Ein Mensch verdient unseren Respekt: ich. Meine Schwächen sind bitteschön tabu. Wenn ich mir etwas wünsche (gerne zu Weihnachten), dann: dass man meine Defizite respektiert und es mir im Leben so einfach wie möglich macht. Wo kämen wir denn hin, wenn mir jeder eine reinwürgte?
Doch sagen Sie das mal dem Herrn Schoss. Der stellt sich taub. Dabei habe ich ihm vor der Show klipp und klar gesagt: “Herr Schoss, ich habe Angst vor Menschen und ertrage ihre Nähe nicht. Halten Sie die Bühne menschenfrei.” Und was macht der Hund? Begrüßt die Zuschauer und platziert gleich drei (!) von ihnen auf der Bühne. Angeblich, weil der Raum schon so voll war. Was nicht stimmt. Auf einem Schoß in der dritten Reihe war noch ein Platz frei. Den hat Herr Schoss mit Absicht übersehen. Um mich zu quälen. Habe ich “Hund” geschrieben? Ich meinte: die Sau.
Den anderen Lesenden Frau von Welt, der Grob und McWinkel war’s egal. Sind ja Menschen und Nähe gewohnt. Aber ich nicht. Die Typen auf der engen Bühne atmeten mir permanent in die Ohren und in den Nacken, während ich versuchte, mich auf mein Manuskript zu konzentrieren. Alle drei Sekunden schüttelte ich mich angeekelt wegen der unangenehmen menschlichen Nähe. Und immer wieder schreckten meine Augen vom Papier hoch und ich starrte die Bühnenhocker misstrauisch drohend an. Denn wer wusste schon, ob sie mir nicht in meinem toten Winkel die Zunge raus streckten. Oder den Mittelfinger zeigten? Oder noch schlimmer: Häschenohren hinter meinem Kopf machten?
Und so habe ich mich im Laufe der Lesung 35 mal verlesen und zwischendurch ein Dromedar gesehen. Psychische Ausfallserscheinung. So reagiere ich als sozialer Phobiker eben in Stresssituationen. Nun weiß ich, dass ich nur wegen meiner Übersprungshandlungen mitlesen durfte. Niemandem kam es auf meine Texte an, sondern nur auf meine geistesgestörten Aussetzer, die darin gipfelten, dass ich mich selbst würgte.
Nun hätte ich eine Bitte: Würden Sie mir in den Kommentaren Ihre Schwächen verraten? Je sexueller und unangenehmer für Sie, desto besser. Dann kann ich darauf auf der nächsten Lesung ein bisschen herumreiten.
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Demnächst in diesem Theater
also das mit dem selbstwürgen wäre mir aufgefallen, sicher.
hinter Ihrem rücken wurden im übrigen nicht nur häschenohren gemacht, sondern ganze märchen als schattenspiel dargestellt, wobei Ihr kopf einen hügel darstellte. ansonsten verhielten sich die zuschauer neben Ihnen allerdings friedlich.
rachel lindenbaum
21 Sep 09 at 20:40
Dingenslesung Berlin…
FrauvonWelt sitzt wieder in ihrem rosa Plüschsessel und betrachtet all die Fotos von der #dingenslesung, die sie nicht hat machen können. Dabei fällt ihr besonders eines ins Auge, von dem sie froh ist, dass es nicht gemacht wurde:
Nun stelle man s……
FrauvonWelt
21 Sep 09 at 20:49
Lieber Herr Vergrämer,
so kann ihre Bewertung nicht stehen bleiben. Das mit dem Sie halte ich nun nicht durch.
Du warst grossartig bei der Lesung. Genauso wie dergrob und die frau von welt.
beim zweiten teil der lesung stand ich wegen platz- und sauerstoffmangel vor dem durchgang zur bühne. und hab dabei mitbekommen, dass der geschoss ein lästermaul ist. never mind.
und es kam auf deine texte an. als du weg warst, ging ich noch mal in richtung bühne, weil ich die texte, die ich mochte, haben wollte. aber sie waren schon weg.
okay, meine schwächen: dergrob hat grossartige arme. lässlich, oder?
Also nochmal: es war ein grossartiger abend. und vor allem deinetwegen.
quarkkalibur
21 Sep 09 at 20:55
Na Sie haben gut reden, Herr Fitz! Sie hatten ja Ihren Platz und mussten nur zu Ihrem eigenen Gefuchtel da vorne sein. Aber wir – die Selbsthilfegruppe anonymer Soziophobiker – wir hatten nicht einmal Luft! Also keine eigene, zumindest.
Und während ich auf Waxmuths Schoß hockte und Ihre Genossen ertragen musste, betranken Sie sich sinnlos im Freien. Schämen Sie sich!
wikipeter
21 Sep 09 at 21:06
Berlin, Berlin…
Eine proppenvolle Boutique, schöne Menschen, charmante Unterhaltung bis weit nach Mitternacht. Schön war’s. Dankeschön.
Schneck: 6x Pipialarm im Weltall
Anousch O. “Immer wenn ich Dich sehe, muss ich an Schutzgeld denken”
Jos……
erdgeschossrechts
21 Sep 09 at 23:03
meine größe schwäche?
ich kann nicht im stehen pinkeln. im sitzen leider auch nicht. so bin ich jedesmal wieder gezwungen liegend zu pinkeln. immer eine riesensauerei.
und von den blicken, die man sich in öffentlichen toiletten einfängt möchte ich gar nicht erst anfangen…
Maak
22 Sep 09 at 07:14
Meine einzige Schwäche besteht in der Tatsache, dass ich Sie kenne. Das scheint man man mir anzusehen. Selbst Leute, die mich nicht kennen, meiden mich deshalb. Ich wünschte, man könnte das irgendwie rückgängig machen. Fitz macht einsam.
KonFerenz
22 Sep 09 at 07:54
Ich bin ja direkt aufgestanden und rausgegangen als Sie die Bühne betraten. Leider folgte keiner meinem guten Beispiel. Menschen sind schlimm, da haben Sie ganz recht.
Kaal
22 Sep 09 at 08:31
Ach, war das schön, auf der Bühne zu sitzen, und nichts tun zu müssen. Werde jetzt bei Lesungen immer zu spät kommen. Man bekommt von den Lesenden ja noch ganz andere Schwächen mit, wenn man so nah dran sitzt. Aber darüber schweige ich mich aus – schließlich haben Sie einen Lappen mit einem Stempel darauf überlassen, der tatsächlich ein Getränkegutschein war. Dafür und für diesen wunderbaren Abend noch einmal besten Dank.
Und auch, wenn Sie keine Bilder mögen; Fotos von diesem literarischen Ereignis gibt es für den Neugierigen hier:
http://www.flickr.com/photos/bosch_hh/sets/72157622293072675/
bosch
22 Sep 09 at 09:00
schwächen… papperlapapp! viel wichtiger wäre es zu wissen, ob es ein weibliches oder männliches dromedar war. nur, um mal ein bisschen auszuwerten…
Pssst!
22 Sep 09 at 09:30
Ja, einem Dromedar sollte man misstrauen, werter Herr Fitz, vor allem ohne Drink in der Hand. Ihre bedenklichste Übersprungshandlung war allerdings, als Sie sich anfingen zu putzen, wie ein räudiger Kater. Das nächste Mal trinke ich lieber mit Herrn Kaal. Draussen. Ganz bestimmt.
Immernoch ekelnd,
f.c.
funky.cinderella
22 Sep 09 at 09:33
Meine Schwäche ist, Rechtschreibfehler zu finden, wenn sie da sind. Ausser meinen. Und sie haben grossartig gelesen. Die andere Schwäche, schönen, intelligenten Männern nur mit Mühe widerstehen zu können, wurde ja dank Frau von Welts Text kuriert. Vielleicht sollten Sie auch etwas mehr auf sie hören.
ChliiTierChnübler
22 Sep 09 at 12:36
Genau, Sie Fitz, Sie, hören Sie auf mich! Planen wir die nächste Lesung, das nächste Buch, das nächste Leben. Sie sind dran.
Herzlich und sowieso
Ihre FrauvonWelt
FrauvonWelt
22 Sep 09 at 22:49
Ich habe Angst vor Menschen mit weißen eng zugeschnürten Turnschuhen. Deswegen habe ich keinem der Anwesenden auf die Füße geschaut.
Johanna
23 Sep 09 at 20:24
[...] Berichte der Lesung: FrauvonWelt MC Winkel (der Begleitfilm) Taubenvergrämer Der Grob Viktor [...]
ChliiTierChnübler » Blog Archive » Lasst uns den deutschsprachigen Blograum vereinigen!
30 Sep 09 at 05:36
Ich war ja gar nicht da, weil ich hatte nämlich was besseres zu tun. Twitter ist eh doof.
Frau Elise
7 Okt 09 at 11:50