Taubenvergrämer aus aus aus

Ach, nee, doch nicht

Frau Ferres riecht ein bisschen nach Parmesan

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Wer von Berlin nach München fliegt, hat manchmal Glück und trifft einen Prominenten. So wie ich in diesem Jahr. Schon in der Wartehalle fiel mir die schwarz gewandete blonde Frau auf, die ihre Augen hinter einer großen, dunklen Sonnenbrille verbarg. Was wohl der Tarnung dienen sollte (denn es war nicht sonderlich hell in der Halle), hatte den gegenteiligen Effekt: Die Mitwartenden starrten noch intensiver hin, um zu erkennen, wer hinter dieser voluminösen Sonnenbrille und den auffallend schwarzem Gewand steckte. Kein Zweifel: Veronika Ferres.

Wie es der Zufall und mehr noch meine Aufdringlichkeit wollten, stand ich beim Boarding unmittelbar hinter der deutschen Schauspielerin. Ich musste einfach die Frage klären, die mich seit über 10 Jahren umtrieb: Riecht sie immer noch nach Parmesan? So wie damals, als wir uns zum ersten Mal trafen? Wir waren jung, die Vroni und ich, und wir hatten ein paar aufregende gemeinsame Stunden. Am Ende war ich einfach abgehauen. Und sie müffelte nach geriebenem italienischem Käse.

Damals, in einem Juni Mitte der 90er, war Frau Ferres bereits ein Star und ich schon so weit davon entfernt wie heute. Als kleiner Juniortexter in einer Werbeagentur traf ich die Dame auf einem Dreh für meinen Kunden, ein Mobilfunkunternehmen. Ich hatte zwar am Skript mitgearbeitet, war am Set aber nur als lernender Beobachter zugegen. Einer der vielen Werbehansels bei einem Dreh eben, von dem eigentlich keiner weiß, was sie hier machen. Doch rückblickend kann ich behaupten: Ich habe Frau Ferres vor einer Erkältung bewahrt. Und, ach ja: sie mit Parmesan einparfümiert.

Das Wetter war damals unentschlossen, der Frühling noch nicht hundertprozentig in den Sommer übergangen. Tagsüber wurde es mitunter angenehm warm, aber gegen Abend auch empfindlich kalt. Glücklicherweise hatte mir meine Mutter vor dem Dreh ihren wichtigen Standard-Ratschlag mit auf den Weg gegeben, den ich vorbildlich beherzigte: “Junge, nimm eine Jacke mit”. So trug ich am Set eine zwar modisch fragwürdige Lederjacke, aber immerhin fror ich nicht.

Frau Ferres’ Mutter hingegen war um das Wohlergehen ihrer Tochter weniger besorgt, oder die Tochter einfach renitenter als ich, und so fröstelte die Schauspielerin in einer Drehpause vor sich hin. Höflich bat sie den Aufnahmeleiter, ob er ihr nicht eine Jacke besorgen könne. Der Angesprochene verfiel in hektische Betriebsamkeit, blickte sich suchend um, hielt dann abrupt inne und musste zugeben: “Hmm, wir haben keine Jacke am Set.” Ich fühlte mich bereits etwas unwohl, weil ich wusste, worauf das ganze hinauslief: auf meine Lederjacke. Ich stand, weil ich mich mal wieder unauffällig Frau Ferres nähern wollte, nur wenige Schritte von den beiden entfernt, als ihre Blicke auf mich fielen. Ich konnte noch so intensiv wegschauen, zu spät.

“Hey kannst Du Frau Ferres nicht Deine Jacke leihen?”

Es war ja nicht so, dass ich nicht darüber nachgedacht hatte, Frau Ferres aus freien Stücken meine Lederjacke anzubieten. Doch nicht meine schlechte Kinderstube hatte mich davon abgehalten, sondern die schlichte Tatsache, dass meine Lederjacke seit ein paar Tagen innen etwas unangenehm nach Parmesan roch. Ein für das Innere einer Lederjacke nur dann charakteristischer Geruch, wenn ein “Freund” den Inhalt eines Parmesanschälchen in die Jacke geschüttet hatte – während man selbst kurz auf dem WC weilte. Genau das war mir passiert.

Zu seiner Verteidigung: Es handelte sich nicht um einen Akt willkürlicher Boshaftigkeit, sondern quasi um eine Gegenoffensive im Krieg Spätpubertierender. Um unser erbärmliches Leben etwas aufzupeppen, verbrachten er, ich und ein dritter Kollege die Mittagspausen gerne bei einem der Agentur nahegelegenen Italiener, und hatten einen Heidenspaß, dem anderen in seiner Abwesenheit größtmöglichen Schaden zuzufügen. Erst einen Tag vor seiner Parmesanattacke, hatte ich zum Beispiel die Cola meines Kollegen mit Pfeffers angereichert, während er kurz die Örtlichkeit aufgesucht hatte, und mich nach seiner Rückkehr über seinen Gesichstausdruck nach dem ersten Schluck prächtig amüsiert.

Das muss bei ihm den Gedanken nach Rache ausgelöst haben. Die Möglichkeit dazu, bot sich ihm beim Mittagessen am nächsten Tag – und wiederum meiner kurzen Abwesenheit auf dem Örtchen. Dass nicht nur ich, sondern auch Frau Ferres die Leidtragenden sein würde, dass es quasi einen Kollateralschaden, ein unschuldiges Opfer geben würde, konnte er nicht ahnen. Es hätte ihn aber auch nicht vom Parmesangriff abgehalten.

Warum habe ich meine Jacke danach nicht sofort in die Reinigung gegeben? In erster Linie deshalb, weil der Dreh unmittelbar nach der Parmesanattacke angesetzt war und zwar schon ein halbes Jahr später. Für einen Single wie mich ein zu knapper Zeitraum, um seine Jacke reinigen zu lassen.

Dieses halbe Jahr später stand ich also mit meiner innen nach Parmesan riechenden Jacke der fröstelnden Frau Ferres gegenüber. Die freundliche Frage des Aufnahmeleiters hallte noch durch meinen Kopf. Die blauen Augen der Ferres blickten mich hoffnungsfroh an, ihr Unterkiefer zitterte vor Kälte. Hätte ich da sagen sollen:

“Nein, hören Sie das nächste Mal eben auf Ihre Mutter.” Oder:
“Nein, meine Jacke riecht zu sehr nach Parmesan” Oder…
“Leider trage ich nichts unter der Jacke und wäre dann nackt am Set.”?

Im Nachhinein weiß ich: Ich hätte ich einfach weglaufen sollen, soweit mich meine Beine tragen, und mir dann eine neue Stelle suchen sollen.

Stattdessen entschied ich mich, nicht weiter nachzudenken, sondern einfach meine Jacke heraus zu rücken. Wie man es von einem kleinen überflüssigen Hansel auf einem Werbe-Dreh eben erwartet. Der Aufnahmeleiter nahm das Teil dankbar entgegen, half Frau Ferres beim Anziehen und ich sah, wie die beiden leicht ihre Nase in die Höhe rümpften. Kein Zweifel, sie nahmen einen unangenehmen Geruch wahr, wussten aber noch nicht, woher er kam.

Wenige Minuten später hatte Vroni ihren nächsten Take. Sie zog meine Jacke aus, begab sich auf ihren Platz und wurde abgepudert. Nun rümpfte auch die Dame, die für die Maske zuständig war, ihre Nase, ihre Mimik verriet aber, dass kein Zweifel bestand, dass Frau Ferres diesen Geruch ausströmte. Als die Maskenfrau fertig gepudert hatte und sich wieder an ihren Platz in der Kulisse begab, flüsterte sie ihrer Assistentin zu “Frau Ferres riecht ein bisschen nach Parmesan”. Das war der Moment, in dem ich kurzentschlossen meine achtlos herum liegende Jacke ergriff und schnell das Weite suchte.

Written by januwefitz

März 23rd, 2009 at 10:51 am

Posted in Allgemein

11 Responses to 'Frau Ferres riecht ein bisschen nach Parmesan'

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  1. Hach, was für ein aufregendes Leben Sie führen, Herr Juf. Sie so mit der deutschen Schickeria. Wie is sie denn so privat, die Vroni?

    aristokitten

    23 Mrz 09 at 11:05

  2. Ich kann nur hoffen und beten, dass Sie keine dieser grauenhaften hellgrauen Nappalederjacken hatten.

    Wobei – vermutlich war es genau so eine.

    Susi

    23 Mrz 09 at 12:12

  3. Geklärt ist aber immer noch nicht, wie sie roch, als sie vor Ihnen in der Warteschlange stand. Und?

    Lenny_und_Karl

    23 Mrz 09 at 12:30

  4. Damals, werter Herr Fitz, als Sie noch in der Abdeckerei tätig waren, sollen die Kollegenscherze ja noch etwas geruchsintensiver gewesen sein.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

    Erdge Schoss

    23 Mrz 09 at 12:49

  5. Ich frage mich schon länger, warum man Eigenblähungen lieber riechen mag als Eigenerbrochenes. Oder halt Parmesan.

    MC Winkel

    23 Mrz 09 at 14:07

  6. Herr Fitz, ich bin froh für Frau Ferres, dass Sie nicht Fisch essen waren. Nicht auszudenken, wonach F

    Scholli

    23 Mrz 09 at 14:16

  7. oje, mein Notebook. Es soll natürlich heißen: Nicht auszudenken, wonach Frau Ferres gerochen hätte, wenn Ihr reizender KOllege sich für einen Rollmops für Ihre Taschen entschieden hätte.

    Scholli

    23 Mrz 09 at 14:18

  8. Sie haben mal für eine Werbeagentur getextet, Herr Fitz? Wie war die Zeit als Sklave denn so?

    roesisch

    23 Mrz 09 at 17:35

  9. Das hat Ihr Kollege schon richtig gemacht – nix hilft so gut gegen Motten wie ein paar Brösel Grana Padano im Innenfutter.

    Anke

    24 Mrz 09 at 10:56

  10. Hab ich vergessen, aristokitten. Aber bestimmt sehr nett, wie alle Menschen.
    Natürlich war es so eine, Susi.
    Ich weiß nicht, wie sie roch, Lennundkarl, weil mein eigener Geruch zu stark war.
    Ich habe damals sehr gerne mit Ihnen zusammen gearbeitet, Herr Schoss.
    Das ist wie mit Kinder, Herr Winkel.
    Das ist mir dann eine Woche später mir Iris Berben passiert, Frau Scholli.
    Ich in der Werbung? Wie kommen Sie denn darauf, Herr roesisch.
    Und Mottenpulver auf den Nudeln wiederum sind auch sehr schmackhaft, Anke

    januwefitz

    25 Mrz 09 at 19:04

  11. Die Dame ist ein ganz heißes Eisen. Sagt ja der Name schon.

    erasmus von meppen

    27 Mrz 09 at 09:37

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