Archive for the ‘Allgemeiner Deutscher Taubenvergräm Club’ Category
Kunden verschrecken Kunden
Mein neuer Taubenvergrämclub XQYX, der so heißt weil die Buchstaben ADTC in Abkürzungen einfach zu häufig benutzt werden, hat schon 3 Mitglieder. Das ist natürlich blöd. Denn das heißt: Mir könnte blühen, demnächst tatsächlich arbeiten zu müssen und irgendwo in der Republik ein paar Tauben zu würgen. Doch auch hier lerne ich beim ADAC, der mit einem augeklügelten System Kunden wirbt: Wer einen anderen dazu bringt, in den Club einzutreten, bekommt einen Hammer oder ähnlichen Kram. Ich variiere dieses Prinzip: Wer einen anderen dazu bringt, aus meinem Taubenvergrämclub wieder auszutreten, kriegt ein angebissenes Snickers. Wer dabei Gewalt anwendet, kriegt sogar zwei angebissene Snickers, aus denen er sich ein ganzes basteln kann.
Immerhin
Gestern habe ich den Allgemeinen Deutschen Taubenvergräm Club ins Leben gerufen, abgekürzt XQYX. Eigentlich wollte ich ihn ADTC abkürzen, aber diese Abkürzung gibt es schon wie Sand am Meer. Und Allgdeutauclu war mir zu lang. Die Buchstaben X, Q und Y sind so selten, dass ich damit eine echte Alleinstellung habe.
Der erste Tag war ein voller Erfolg. Zwar ist noch niemand dem Club beigetreten, aber auch Rom wurde nicht über Nacht erbaut. Und was ist Rom gegen den XQYX? Mein Geschäftsmodell ist so einfach wie genial, eine Revolution. Wenn man mal davon absieht, dass es der ADAC genau so macht: Gegen eine Jahresgebühr kann man mich immer dann rufen, wenn das Mitglied gerade eine Taube stört. Ich oder ein anderer Taubenvergrämer aus meinem deutschlandweiten Netzwerk wird sofort zum Einsatzort eilen. Zur Zeit habe ich noch kein Netzwerk, aber zwei Beine (ich überlege mir von meinem ersten Honorar ein drittes zuzulegen) und hochmoderne Technik: einen Anrufbeantworter, einen Tisch und ein paar Dienststiefel. Ich überlege, ob ich mir einen Computer zulege und ein Corporate Blog aufziehe. Müsste mir dazu aber noch einen spannenderen Job ausdenken als Taubenvergrämer.
Sogar zwei Mitarbeiter habe ich schon, die sich auf 400 EURO-Basis zur Verfügung stellen: das rüstige Rentnerehepaar Schwattmann, in deren Wohnzimmer ich vor kurzem Amok gelaufen bin, und die ich eigentlich töten wollte. Sie haben mir verziehen, wohl auch weil sie äußerst vergesslich sind, und helfen mir bei meinem Unterfangen XQYX.
Da habe ich natürlich einen echte USP: die ältesten Laienvergrämer Deutschlands. Sie sind nicht so perfekte trainierte Vergrämmaschinen wie ich. Aber Taubenvergrämen ist ja auch wirklich ziemlich simpel. Ich würde niemals einem Club wie dem XQYX beitreten, denn Tauben verscheuchen kann doch jedes Kind. Aber das brauchen meine Kunden nicht zu wissen.
Ach so. Wer beitreten will: Einfach in die Kommentarspalte den Namen eines anderen eintragen.
ADTC
Es ist und bleibt die große Frage meines Daseins: Warum kann ich vom Taubenvergrämen nicht leben? Warum verdiene ich kein Geld mit meinem Beruf?
Weil ich in einem kleinen Bergdorf lebe, wo es keine Tauben gibt? Weil ich eine Taube nicht erkenne, selbst wenn sie vor mir stünde und sie ein T-Shirt mit “Taube” trüge? Oder weil die Konkurrenz einfach kompetenter ist als ich?
Nein, die Antwort heißt: Weil ich das falsche Honorarmodell zugrunde lege. Ich mache immer noch den Fehler, erst dann eine Rechnung zu stellen, wenn mich ein Kunde ruft und ich die Tauben vergrämt habe. Also theoretisch. Mich rufen ja keine Kunden.
Ganz klar: Ich muss anders abrechnen. Und ich weiß auch schon wie: Auf Basis eines Clubmodells. Wie der ADAC werde ich Mitglieder werben, die einen Jahresbeitrag für das Taubenvergrämen bezahlen. Also für das potentielle Taubenvergrämen. Dass das hervorragend funktioniert, beweist der ADAC. Seine Mitglieder zahlen selbst dann, wenn sie keine Panne haben. Dafür dann nichts, wenn sie eine Panne haben. Das wirkt vielleicht wie verkehrte Welt, erweist sich für den ADAC aber als Goldgrube. Ab und zu nochmal ein Satz à la “Die Autofahrer sind die Melkkühe Deutschlands” aufgebracht hinaus posaunt und fertig ist die Laube. Sprich: ein Geschäftsmodell, das Rekordumsätze bringt.
Genauso mache ich es auch: Ab sofort kann sich jeder in meinem Allgemeinen Deutschen Taubenvergräm Club (ADTC) anmelden. Gegen einen bescheidenen Jahresbeitrag hat er dann die Sicherheit, dass ich immer dann komme, wenn Tauben vergrämt werden müssen. Na, gut, mein bundesweites Netz ist noch nicht so gut ausgebaut wie das des ADAC. Wenn zum Beispiel jemand in Flensburg ein Taubenproblem hat, dauert es eben seine Zeit, bis ich aus meinem Schweizer Bergdorf da bin. Zumal ich kein Auto habe und die Busverbindung sehr schlecht ist.
Aber mal ehrlich: Auf den ADAC wartet man doch auch lang.

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