Taubenvergrämer aus aus aus

Ach, nee, doch nicht

Der Besuch der Zeugen Travoltas

Es klingelt. Ich öffne und stehe vor zwei dunkelhaarigen Männern in weißen Disco-Anzügen, wie sie einst John Travolta in „Saturday Night Fever“ trug.

„Guten Tag“, sagt der Größere von beiden. „Wir kommen von den Zeugen Travoltas und möchten mit Ihnen über das Tanzen reden.“

„Au ja.“

„Glauben Sie an ein Tanzen nach der Musik?“

„Hm…“

„Glauben Sie, dass der Mensch auch ohne Musik tanzen kann?“

„Hm… Ja. Ich glaube, das kann er. Aber ich glaube auch: Das sollte er nicht.“

“Ach, nein?” fragt Big Travolta gespielt interessiert. „Und warum nicht?“

„Weil es bescheuert aussieht”, antworte ich.

„Verstehe”, sagt Big T. “Sie meinen, die Gesellschaft ist noch nicht so weit.”

„Ich meine sogar, die Gesellschaft wird nie so weit sein!”

„Interessanter Punkt“, murmelt der kleine Travolta.

Ich tue einen Augenblick lang so, als dächte ich nach.

„Ich meine: Tanzen ohne Musik? Wie sieht das denn aus?”

„Eitelkeit ist Sünde!“ brüllt der kleine Travolta abrupt, beruhigt sich aber gleich wieder.

„Für uns bei den Zeugen Travoltas zählt nicht wie ein Tanzender aussieht, sondern was er dabei ausstrahlt“, sagt Big T. “Oder wie Meister Travolta lehrt: Tanze, als würde dir niemand dabei zusehen.“

„Wusste Meister Travolta, dass keine Musik läuft?“, frage ich.

„Tanzen ist Individualität!“, fährt Big T fort. „Freiheit! Aber sogar im ach so liberalen 21. Jahrhundert unterwerfen sich Milliarden Tanzbegeisterte mannigfaltigen Tanzdiktaturen und lassen sich in ihrer Individualität beschränken. Ein guter Freund von mir hatte letzte Woche zum Beispiel spontan Lust, einen Walzer zu tanzen, aber die Band spielt gerade zum Tango. Also musste mein Freund Tango tanzen. Nur weil die Band das wollte. Und das im 21. Jahrhundert!”

„Sein Freund wartet heute noch darauf, dass die Band endlich einenWalzer spielt!”, wirft Little T ein.

„Und was soll mir das sagen?“, frage ich.

„Dass sich kein Tanzender von anderen zu irgendetwas zwingen lassen sollte! Meine Beine gehören mir! Tanzen ist Freiheit!“

„Verstehe“, sage ich.

„Stellen Sie sich vor, es wäre in diesem Augenblick gar keine Musik gelaufen!” Big T. blickt versonnen in die Ferne. “Dann hätte meine Freund das tanzen können, was er wollte.”

„Aber ohne Musik.“

„Na, und?“

“Weg mit dem Diktat des Rhythmus!“, proklamiert Little T und reckt die Faust.

„Dürfen wir vielleicht reinkommen?“, fragt Big T unvermittelt. „An der Tür redet es sich so schlecht.“

„Ja“, antworte ich. „Wenn ich ausziehen und Sie die Wohnung mieten sollten. Bis dahin bleiben Sie schön im Treppenhaus.“

„Grmpf.“

„Was haben Sie denn sonst noch so zu bieten bei den Zeugen Travoltas?“

„Wunderbare, neue Tänze. Zum Beispiel den 12-Bewegungs-Tanz. Ein Tanz, bei dem nur 12 Bewegungen erlaubt sind. Nach Vorbild der 12-Ton-Musik von Arnold Schönberg.“

„Und wenn ich eine 13. Bewegung mache?“

„Werden Sie von der Tanzfläche geholt und müssen die 12 Bewegungen neu bimsen.”

„Das klingt aber nicht mehr nach Freiheit….“

„Regeln müssen sein. Die 12 Bewegungen sind genau vorgeschrieben und ihre Einhaltung wird streng überwacht. Besonders in Deutschland erfreut sich dieser Tanz großer Beliebtheit. Besonders Buchhalter und Beamte tanzen ihn wahnsinnig gern.“

„Und wer überwacht die korrekten Bewegungen?“

„Jeder Tänzer hat seinen eigenen Aufseher.“

„Klingt toll.“

„Möchten Sie den Zeugen Travoltas beitreten?“

„Unbedingt“, antworte ich.

„Können wir die Formalitäten nicht doch in Ihrer Wohnung erledigen?“

„Nein.“

„Na, gut. Dann erledigen wir den Papierkram eben im Treppenhaus“

„Papierkram?“

„Ja. Was stört Sie daran?“

„Ich glaube nicht an eine Mitgliedschaft nach dem Papierkram. Ich kann Ihrem Laden leider doch nicht beitreten.

Bevor Big T antworten kann, knalle ich ihm die Tür vor der Nase zu.

Durch die Türe höre ich ihn noch sagen: „Glauben Sie ja nicht, dass Sie die Tür zu schnell für mich geschlossen haben! Ich hätte meinen Fuß locker rechtzeitig in Ihre Tür gestellt, wenn ich das gewollt hätte. Aber meine 70er Jahre Boots sind superempfindlich!“

„Wiedersehen“, rufe ich durch die geschlossene Tür.

„Ach, halts Maul“, kommt zurück.

Written by januwefitz

Juli 26th, 2016 at 7:50 pm

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Meine 50 nettesten Gespräche

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Ich habe nichts gegen Gespräche. Für mich persönlich sind sie aber nichts. Ich kann den Hype, der darum gemacht wird, nicht nachvollziehen. Die meisten Gespräche, um die ich im Laufe meines Lebens nicht herumgekommen bin, waren weder unterhaltsam noch nützlich, im Gegenteil, sie waren qualvoll und kontraproduktiv, brachten mir nur Scherereien und Probleme.

Es gibt allerdings ein paar wenige Ausnahmen. Von Zeit zu Zeit kam es zu Unterhaltungen, die ich als recht erträglich empfand und an die mich auch Jahre später zwar nicht gern erinnere, aber zumindest ohne vor Scham im Erdboden versinken zu wollen oder mich immer noch grün und blau zu ärgern.

50 dieser Gespräche folgen in loser Reihenfolge auf diesem Blog.

Den Anfang macht ein Gespräch, das ich am 26.6.1998 mit einem Düsseldorfer Bäcker geführt habe und in dem ich einiges über das faszinierende Thema Brötchen gelernt habe.

“Ich hätte gerne Backwaren”, begann ich die Unterhaltung, nachdem ich die Bäckerei betreten hatte.

“Irgendetwas Bestimmtes?”, fragte der Bäcker.

Ich überlegte kurz und antwortete:

“Etwas Brötchenhaftes wäre schön.”

Der Bäcker atmete tief ein und wieder aus. Dann sagte er:

„Auf diesem Gebiet haben wir eine riesige Auswahl“

“Oje“, entfuhr es mir. „Das habe ich befürchtet. Ich kann mich so schwer entscheiden. Ich hatte gehofft, Sie haben vielleicht nur eine Brötchensorte.”

„Das kenn ich!”, sagte der Bäcker und blickte verständnisvoll. „Optionsparalyse! Das hab ich auch. Wenn mehr als ein Kunde im Laden ist, kann ich mich einfach nicht entscheiden, wen ich bedienen soll.“

„Warum bedienen Sie nicht einfach den, der am längsten wartet?”

“Hm…”, grübelte der Bäcker. “Gute Idee. Das probier ich mal.”

Nachdenklich begutachtete ich die Brötchen in der Auslage.

„Hm… Wenn ich nur wüsste, welche Brötchensorte ich nehmen soll?“

“Warum nehmen Sie nicht die Brötchen, die schon am längsten in der Auslage liegen?”

„Ich weiß nicht recht…“

“Darf ich fragen, was Sie mit den Brötchen vorhaben?”

“Essen.”

“Na, das grenzt die Auswahl doch schon mal ein.”

“Was kann man denn mit Brötchen sonst noch machen außer essen?”

“Sammeln.”

“Ach?”

“Na, klar. Briefmarkensammler kaufen Briefmarken ja auch nicht, um damit Briefe zu frankieren – sondern sammeln sie in Alben und nutzen diese, um Frauen abzuschleppen. So machen es auch Brötchensammler: Sie essen die Brötchen nicht, sondern sammeln sie.”

„Um damit Frauen ins Bett zu kriegen?“

„Zum Beispiel.“

“Ich möchte aber lieber Brötchen zum Essen kaufen. Können Sie mir etwas empfehlen?

“Sonnenblumenbrötchen!”

“Sind die etwas Besonderes?”

“Nö. Aber zum Empfehlen langt’s.”

“Sind Ihre Sonnenblumenbrötchen besser als die von anderen Bäckern?”

“Definieren Sie andere.

“Zum Beispiel als die vom Bäcker nebenan?”

Er guckt mich überrascht an.

„Nebenan ist ein Bäcker???”

“Zwei sogar“, antworte ich. „Einer links, einer rechts.”

“Scheiß Kapitalismus. Ist das hier die längste Brötchentheke der Welt oder was?“

Er geht vor die Tür seines Ladens, schaut nach links und rechts und kehrt wieder hinter den Verkaufsthresen zurück.

„Sie haben Recht. Beide Nachbarn: Bäckereien.“

Er blickt eine Weile nachdenklich aus dem Schaufenster in die Ferne, dann sagt er:

„Aber um Ihre Frage zu beantworten: sehr viel besser!”

“Und das sagen Sie nicht nur, damit ich Ihnen welche kaufe?”

“Na, hören Sie mal! So ein Bäcker bin ich nicht! Wenn meine Sonnenblumenbrötchen schlechter wären als die der Konkurrenz, würde ich das auch zugeben. Ich gebe ja auch zu: Mein Weizenmischbrot ist scheiße. Kriegen Sie überall ein Besseres.”

“Dann nehme ich zwei Weizenmischbrote, bitte.”

“Gerne. Soll ich sie einpacken?

“Nein. Ich esse sie selbst.”

“Warum machen Sie sich nicht selbst mal eine kleine Freude?”

“O.k. Packen Sie sie doch ein.”

“Andererseits… wenn Sie schon wissen, was drin ist… ist ja schon etwas öde.”

“Ok. Packen Sie doch nicht ein.”

“Ich könnte höchstens noch eine Kleinigkeit dazu legen.  Eine Überraschung. Ohne Ihnen zu verraten, was.”

“Ok. Packen Sie sie doch ein.”

“Gucken Sie mal kurz weg…. So.”

“Und was macht das?”

“40 Euro.”

“Für zwei Weizenmischbrote?”

“Und eine Überraschung!”

“Wie teuer ist die Überraschung denn?”

“Lassen Sie sich überraschen.”

“Mir reicht auch eine kleine Überraschung.”

“Vielleicht ist die Überraschung ja klein.”

“Und warum kostet der Spaß dann 40 Euro?”

“Lassen Sie sich überraschen.”

“Ich verzichte lieber auf die Überraschung.”

“Das ist sehr schlau von Ihnen.”

“Was wäre die Überraschung denn gewesen?”

“Eine tote Wespe.”

“Was haben Sie außer Brötchen sonst noch so im Programm?”

“Croissants.”

“Aus eigener Schlachtung?”

“Sehe ich aus wie ein Schlachter?”

“Also nicht aus eigener Schlachtung.”

“Nein.”

“Dann geben Sie mir zwei.”

“Holen Sie sich die selbst.“

“Ach? Ist das eine Self Service Bäckerei?”

“Nö, aber ich bin ein Faule-Sau-Bäcker.”

“Wissen Sie was? Sie gefallen mir. Ab sofort sind Sie mein Stammbäcker.”

“Wenn Sie noch mal meinen Laden betreten, erschieße ich Sie.”

“Das kann man aber auch freundlich sagen.”

“Du noch mal Tippel-Tippel Klingeling, ich: Peng!”

“Da freu ich mich jetzt schon drauf.”

 

 

Lesen Sie das nächste Mal: Mein Gespräch mit den Zeugen Travoltas.

Written by januwefitz

Juli 18th, 2016 at 2:41 pm

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Selbsterkenntnis

Seit 2 1/2 Jahren weiß ich, dass ich hochunerträglich bin. Von den rund 20 bis 25 % der Bevölkerung, die diesen Wesenszug tragen, gehöre ich noch einmal zu einer Minderheit: Denn zwei Drittel der Hochunerträglichen riechen unauffällig, nur etwa 30 Prozent streng und beißend. Zu den letzteren gehöre ich.

Wie alle Menschen ist auch jeder Hochunerträgliche ein selbstverliebter Ignorant. Von daher lassen mich die folgenden Ausführungen, so schonungslos sie auch sein möchten, mich immer noch in einem zu hellen Licht erscheinen.

Schon früh in meinem Leben habe ich gemerkt, dass ich anders auf Menschen wirke als die meisten Menschen um mich herum. Sobald ich einen Raum betrete, schlagen mir tiefe Abneigung und Ablehnung entgegen und fliegen Gegenstände in meine Richtung. Allein meine Anwesenheit ist für viele Menschen ein rotes Tuch, schon mein Anblick eine Provokation, Auslöser tiefempfundenen Hasses. Wohin ich auch gucke: rollende Augen, genervtes Stöhnen, gezischte Drohungen, mich keinen Schritt mehr zu nähern.

Ich ignoriere diese geballte Ablehnung aber einfach und beweise umgehend, dass jede Aversion gegen mich völlig gerechtfertigt ist. Ich huste und niese andere Leute an, äffe ihr Lachen nach oder weise sie wieder und wieder auf ihre Schwächen, Fehler und körperlichen Defizite hin. Ich erzähle ihnen, was sie besser nicht wissen sollten, weil es sie verletzt und mache sie mit Geschichten lächerlich, die sie in ihrer ganzen menschlichen Erbärmlichkeit zeigen. Und das ausnahmslos vor Dritten, Vierten und so vielen Zuschauern wie möglich. Unter vier Augen bleibe ich nicht länger als für die Dauer von zwei, drei Beleidigungen mit ihnen zusammen. Dann drehe ich ihnen einen Brustnippel um und zünde mir eine Zigarette an, obwohl ich nicht rauche. Nur um ihnen mit dem Rauch zuzusetzen und ihre Gesundheit durch Passivrauchen zu schädigen.

Heute weiß ich: Das alles liegt an einer tieferen Empfänglichkeit für menschliche Verlogenheit und Heucheleu. Ich glaube in der gleichen Zeit viel weniger von dem Scheiß, den Menschen erzählen, als die meisten meiner Mitmenschen – als würde ich jedes Wort durch einen inneren Lügendetektor laufen lassen. Schwätzer, die von anderen fordern, was sie selbst als Letztes tun würden, wecken in mir den unbändigen Drang, irgendjemand anderen dafür büßen zu lassen. Nicht anders ergeht es mir bei öffentlichen Appellen von Wichtigtuern, die von ihren Minderwertigkeitskomplexen getrieben relevant wirken wollen, oder regelmäßig 3000 bis 5000 Anschläge veröffentlichen müssen, damit sie pünktlich ihr Honorar beziehen. Dass meine Ausbrüche immer die Falschen treffen, ist mir völlig egal. Hauptsache, ich fühle mich danach besser. Schon mein Vater, ebenfalls eine extreme Nervensäge, sagte: “Bevor du auf irgendjemanden Rücksicht nimmst, erschieß dich lieber.”

Wenn ich zufällig zwei Menschen bei einer Unterhaltung erwische, kann ich nicht anders, als mich zu ihnen zu gesellen und zu stören. Dabei ist alles erlaubt. Gesang, körperliche Attacken, das Werfen mit Gegenständen.

Die meiste Zeit aber bin ich grundlos hochunerträglich. Einfach nur, weil ich Lust darauf habe, anderen auf den Sack zu gehen.

Sogar ich selbst kann mich nur schwer ertragen. Oft gar nicht.  Dann sperre ich mich stundenlang ins Klo und lasse mich erst wieder raus, wenn ich aufs Klo muss. Anschließend mache ich ins Wohnzimmer und gönne es mir von Herzen.

 

Written by januwefitz

Juni 12th, 2016 at 11:58 am

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Mein Leben als Senf

Aus „Tote Tauben nerven nicht“, Teil 3.

 

Ich war nicht immer Taubenvergrämer. Früher war ich Senf. In Rheinland-Pfalz. Es war keine schöne Zeit, ich habe danals sehr gelitten. Nur verkläre ich dieses dunkle Kapitel meines Lebens heute, weil es noch schlimmer ist, Taubenvergrämer zu sein.

Dabei hatte ich es mir so schön vorgestellt. Schon als Kind habe ich immer davon geträumt, Senf zu werden.

Und das trotz aller Warnungen und Widerstände. Wie oft musste ich mir anhören, dass Senf kein Beruf für mich sei. Es sei noch nicht mal ein Beruf. Und wie oft habe ich trotzig entgegnet: »Sondern?«

Ein Argument, das meine Kritiker mundtot gemacht hat.

Und so bewarb ich mich nach dem Abitur als Senf in der Würstchenbude am Rande unserer Kleinstadt mitten in Rheinland Pfalz, das damals als die Hochburg der internationalen Senf-Szene galt. Und tatsächlich: Ich bekam den Job.

Ich weiß nicht, ob Sie mit der Arbeit von Senf vertraut sind. Falls nicht: Meine Aufgabe war vor allem, mich auf viereckige Papptellerchen zu legen und appetitlich auszusehen. Was ich – in aller Bescheidenheit – ziemlich überzeugend tat.

Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Mal.

»Eine Rebell-Wurst, ey«, bellte ein Kunde über die Verkaufstheke.

»Mit Senf?» fragte der Imbiss-Besitzer, mein Chef, dessen nach ihm benannte Wurst dank einer einmaligen Gewürzmischung aus allem, was bei 3 nicht auf den Bäumen war, weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war.

»Jepp!«

»Jan-Uwe, kommst du mal?«

Das war mein Moment. Ich tauchte hinter der Theke auf, wo ich elektrisiert auf meinen Einsatz gewartet hatte, und fragte zitternd vor Aufregung: »Braucht jemand Senf?«

»Jepp. Los, leg dich auf den Teller.«

Ich reagierte nicht. Woraufhin mein Chef sagte:

»Leg Dich BITTE auf den Teller.«

Auch als Senf legt man seine bürgerliche Erziehung nicht ab.

»Sehr gern«, antwortete ich und leistete seiner Bitte nun brav Folge.

Ich drapierte mich auf dem Teller, mein Chef legte die Wurst neben mich und dann reichte er die Wurst und mich dem Kunden. Der schleppte das ganze zu einem Stehtisch, stippte die Wurst in mich hinein und verspeiste sie mit wohligem Grunzen.

Anstrengender für mich wurde es in starken Geschäftszeiten, wenn mehrere Bestellungen gleichzeitig eingingen. Oft konnte ich mich nicht entscheiden, auf welchen Teller ich mich zuerst legen sollte und stand irgendwann kurz vor dem Burn-out. Aber auch mein Chef hatte es nicht leicht. Denn ich war sein einziger Senf. Und während meines Jahresurlaubs kam es immer wieder zu Senf-Engpässen:

»Eine Rebel-Wurst!«, bellte dann der Kunde.

»Mit Ketchup?«, fragte mein Chef.

»Nee, mit Senf!«

»Der ist im Urlaub. «

»Scheißladen. Ist denn der Ketchup da?«

„Der hat erst in einer Stunde Dienst.“

 

Ach, ja. Erinnerungen.

 

Written by januwefitz

Juni 9th, 2016 at 2:33 pm

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Ermüdende Witze mit gelben Früchten

Bald ist Fußball EM. Willkommener Anlass, um etwas zu sammeln, das nichts damit zu tun hat. Zum Beispiel Witze mit gelben Früchten. Drei habe ich schon:

1. Welche Frucht kann fliegen? Die Zidrohne.

2.  Welche Frucht will nicht mehr leben? Die Suizidrone.

3. Welche Serie wurde nach einer Frucht benannt? Game of Zithrones.

Und jetzt schmeiß ich mich erst mal weg.

Written by januwefitz

Februar 10th, 2016 at 7:41 pm

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Die Einzeltherapie-Gesprächsprotokolle, Gespräch vom 23.1.16

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“Na, wie geht es Ihnen heute, Herr Fitz?”

“Lausig. Ich hab meine Liebe zum Tanzen entdeckt.”

“Aber das ist doch schön!”

“Ist es nicht. Ich tanze scheiße.”

“Ach, das glauben Sie nur…”

“Nein. Das weiß ich. Ich höre es ja ständig von anderen.”

“Wer sagt das denn?”

“Jeden, den ich frage.”

„?“

„!“

“Sie fragen andere, wie Sie tanzen?”

“Natürlich. Ist doch interessant. Sie nicht?”

“Nein. Mir ist egal, was andere von meiner Art zu tanzen halten.”

“Wie rücksichtslos von Ihnen.”

“Ich tanze nur für mich selbst.”

“Und wenn sich jemand gestört fühlt?”

“Wer soll sich denn davon gestört fühlen?”

“Ein Ästhet zum Beispiel!”

“Dann soll er wegsehen.”

“Wie egoistisch Sie sind, Herr Doktor.”

“Tanzen ist ja nicht Rauchen. Ich habe noch nie gehört, dass Passivtanzen schädlich ist.”

“Sie müssen das Ganze jetzt nicht ins Lächerliche ziehen…”

“Lassen Sie sich von niemandem den Spaß am Tanzen verderben, Herr Fitz!”

“Sie haben gut reden! Wenn ich so rücksichtslos wie Sie wäre, wäre mir das auch egal!“

„…“

„Ich möchte jedenfalls nicht, dass sich jemand von meinen Moves belästigt fühlt!”

“Glauben Sie mir, Herr Fitz: Niemand fühlt sich von Ihren Moves belästigt. Jedenfalls nicht so, dass er damit nicht umgehen könnte.”

„Ihr Wort in Gottes Ohren!”

„Fragen Sie in Zukunft niemanden, wie ihm Ihr Tanzen gefällt. Tanzen Sie einfach!”

“Ich brauche aber das Feedback. Ich halte die Unsicherheit nicht aus.”

“Dann tanzen Sie allein zu Hause.”

“Mach ich doch eh…”

“?”

“Ich würde nie in der Öffentlichkeit tanzen.”

“Und wie können andere Sie dann beurteilen?”

“Ich nehme mich auf Video auf und zeige meinen Tanz auf meinen youtube-Channel „Fitzy tanzt“.”

“Wie bitte?”

„Ist das so ungewöhnlich?”

“Die 45 Minuten sind rum. Wir reden das nächste Mal weiter.”

“Die 45 Minuten sind noch längst nicht rum.”

“Wir reden trotzdem das nächste Mal weiter.”

“Da freu ich mich schon jetzt schon drauf.”

 

Written by januwefitz

Januar 28th, 2016 at 2:26 am

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Was machst’n da?

Auf die Straße starren.

Was ist da?

Nichts. Aber das kann sich ja ändern. Und dann bin ich von Anfang an dabei.

Und wenn stattdessen etwas im Innenhof passiert?

Dann gucke ich gerade aus dem falschen Fenster.

Du solltest dir eine Webcam zulegen. Oder besser noch so viele Webcams wie wir Fenster haben. Dann kannst du alle Fenster vom Computer aus beobachten.

Nee. Ich bin eine old fashion Gafferin.

Ich will nur nicht, dass du wieder etwas verpasst. Du regst dich immer so auf, wenn du nicht alles mitbekommst. Am Ende beißt du dir wieder in den Arsch.

Na, und? Ist ja mein Arsch.

Und in meinen wieder gleich mit.

Na, und? Den habe ich mitgeheiratet.

Das letzte Mal hast du dem ganzen Stadtteil in den Arsch gebissen.

Da reagiert man einmal etwas über, schon wird es einem ständig vorgehalten.

Manchmal muss man sich eben an einer einzigen Tat beurteilen lassen. Harvey Oswald konnte auch nicht sagen: O.k., ich habe Kennendy erschossen, aber sonst bin ich ein ganz, ganz Lieber.

Man muss Mensch und Werk voneinander trennen. Und jetzt lenk mich nicht ab. Ich muss mich auf die Straße konzentrieren… Was machst du überhaupt hier? Ich dachte, du hättest mich verlassen?

Ei, ich bin doch reumütig zurückgekehrt!

Echt? Wusst ich ja gar nicht. Wann denn?

Letzte Woche.

Und das sagt du mir jetzt erst?

Ich hab’s  dir schon vor Tagen gesagt!

Das ist mir völlig neu.

Ich bin mir sicher, dass ich dir das mal morgens beim Frühstück gesagt habe.

Bestimmt hast du wieder genuschelt. Und warum bist du wieder da?

Die plötzliche Trennung war nicht mein Ding. Ich glaube, ich bin mehr so der Mensch, der sich langsam entfremdet. Mir ist es lieber, wir leben uns auseinander statt uns Hals über Kopf zu trennen. Gut Ding will Weile haben.

Zum Auseinanderleben habe ich keine Zeit. Glaubst du, ich habe nicht Besseres zu tun?

Das kannst du ja parallel tun. Ihr Frauen seid doch Multitasker.

Schön wärs! Nicht, wenn es darum geht, aus zwei Fenstern gleichzeitig zu gucken.

Ich kann ja für Dich aus dem anderen Fenster gucken.

Damit du von Anfang an mitbekommst, was im Innenhof passiert? Nix da! Du guckst schön youporn! Da gibt’s übrigens einen neuen Film mit unserer Tochter.

Hat sie sich mittlerweile mal gemeldet?

Vor einem halben Jahr. Um zu fragen, ob ich Lust auf einen Dreier mit Tante Elfriede habe.

Hattest du?

Nicht mit Tanze Elfriede.

Warum hat sie mich nicht gefragt?

Weil ich aihr erzählt habe, das du im Bett eine Null bist.

Petze.

Hey! Das sollte auf youporn landen! Willst du, dass dich die ganze Welt da als Versager sieht?

Ach so. Stimmt. Danke.

Bitte! Und jetzt bring den Müll runter.

Und was essen wir dann zu Abend?

Written by januwefitz

September 22nd, 2015 at 7:35 pm

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Ach so, mein zweites Hörbuch ist ja fertig.

Und zwar exklusiv von Audible, aber auch auf itunes erhältlich:

Und zwar hier: Wenn ich was kann, dann nichts dafür.

Written by januwefitz

September 10th, 2015 at 10:11 pm

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Gestern auf der Party

„Guten Abend.”

„Guten Abend.”

„Nette Party, nicht wahr?“

„?“

„!“

„Warum fragen Sie?”

„Nur so.”

„Sind Sie der Gastgeber?”

“Nein. Ich bin auch nur ein Gast.”

„Warum auch?”

“Weil ich vermute, dass Sie ebenfalls einer sind.”

„Ach? Vermuten Sie das? Und wie kommen Sie darauf, das zu vermuten? Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht der Gastgeber bin?”

„Weil ich den Gastgeber kenne.”

„Ach? Sie kennen den Gastgeber? Und was ist, wenn er nicht alleine feiert? Sondern mit mir zusammen? Wenn ich auch ein Gastgeber bin?”

„Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Stand auch nichts auf der Einladung.”

„Vielleicht bin ich ja erst im Laufe des Abends als Gastgeber eingestiegen? Vielleicht war das bis 0.16 Uhr eine Party mit einem Gastgeber und ich habe mich spontan dazu entschlossen, mitzufeiern. Weil ich vielleicht erst abwarten wollte, wie die Party so ist und ob sie mir gefällt, bevor ich als Gastgeber mitmache…”

„Langsam fangen Sie an zu nerven.“

„Weil ich Ihre Denkprozesse hinterfrage?“

„Weil Sie Blödsinn reden. Hätte ich Sie mal besser nicht angesprochen.”

“Tja, zu spät. Jetzt stecken wir mitten im Gespräch. Und glauben Sie nicht, dass ich Sie so schnell wieder vom Haken lasse.“

„Pfff. Wenn ich keine Lust mehr auf Sie habe, gehe ich einfach.”

„Hm. Gar nicht so dumm.“

„Danke.“

„Und wohin gehen Sie dann?”

„Zu einem anderen Gast.”

„Das würden Sie mir antun?”

“Eiskalt. Wenn Sie mich noch länger nerven, gehe ich.“

„Dann nerve ich Sie besser nicht länger. Allein will ich auf der Party auch nicht rumstehen. Ich finde doch nie im Leben noch so einen Blöden, der mit mir redet! Verraten Sie mir noch, womit ich Sie nerve? Dann werde es umgehend abstellen.”

„Zum Beispiel mit Ihrer ständigen Fragerei.”

„Ich nerve Sie, weil ich Konversation betreibe? Wie ungewöhnlich… Seien Sie lieber froh, dass ich Interesse an Ihnen zeige.”

„Stellen Sie einfach nicht mehr so bescheuerte Fragen wie Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht der Gastgeber bin?”

„O.k.”

„Dann verstehen wir uns. Mein Name ist übrigens Malchow.”

“Freut mich, Herr Malchow. Ich heiße Möbius.”

„Wie der Gastgeber? Sind Sie verwandt?”

„Wer weiß? Vielleicht bin ich ja doch der Gastgeber!”

„Jetzt reicht es. Ich gehe.”

„Aber warum denn?”

„Weil Sie nerven.”

„Aber ich habe doch gar nichts gefragt! Sie sagten, meine Fragen nerven. Ich wusste ja nicht, dass Sie sich auch von Aussagesätzen genervt fühlen. Geben Sie mir bitte noch eine Chance!”

„Na, gut.”

„Ach, lecken Sie mich am Arsch und stecken Sie sich Ihre Chance in den Arsch. Verpissen Sie sich.”

„Na, also! Sie können ja auch anders! Das ist doch mal ein Wort!“

„Halt’s Maul“

„Wollen Sie tanzen?”

„Mit Ihnen?”

„Zum Beispiel.”

„Wie lange wollen Sie mit mir tanzen? Nur zur Orientierung… ”

„Bis der Erste heult.”

„Das klingt gut. Bitte, lieber Gott, mach, dass ich das bin!

„Darf ich bitten?”

„Sind Pirouetten erlaubt?”

„Pirouetten sind das einzige, was erlaubt ist!”

„Sie sind mein Lieblingsgast auf der Party.“

„Sie meiner nicht. Aber in den Top Fifty landen Sie locker.“

„Dance with me, Baby.”

Written by januwefitz

September 10th, 2015 at 7:51 pm

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Man redet halt vor sich hin

„Das war wirklich hochinteressant, was Sie da eben erzählt haben“, sagt Männerstimme 1 anerkennend. „Wie kommt’s, dass Sie so viel über dieses Thema wissen? Haben Sie beruflich damit zu tun?“

„Um Gottes Willen! Nein!“, wehrt die zweite Männerstimme lachend ab. „Ein Beruf, in dem ich mich mit so etwas befassen müsste, würde ich keine zwei Tage ertragen!“

„Und warum wissen Sie dann so viel?“

„Weiß ich ja gar nicht. Ich weiß nichts über das Thema.“

„Aber…“

„Wie kommen Sie denn auf die Idee?“

„Weil… Sie seit Hildesheim ausführlich darüber doziert haben, was die politisch Verantwortlichen anders machen müssten …“

„Aber doch nicht, weil ich Ahnung habe!“

„Nicht?“

„Ich habe keine Ahnung, was man anders machen müsste. Vielleicht muss man auch gar nicht anders machen. Ich habe einfach irgendetwas daher geredet. Was mir halt eingefallen ist. Ich erinnere mich schon gar nicht mehr daran, was ich gesagt habe.“

„Ach…?“

„Haben Sie wirklich gedacht, ich wäre ein Experte?“

„Irgendwie schon. Es klang alles so nachvollziehbar… Aber warum erzählen Sie denn so einen Quatsch?“

„Hätte ich geahnt, dass Sie das Thema tatsächlich interessiert, hätte ich über etwas anderes gesprochen. Aber ich dachte, Sie hören mir eh nicht zu. Dass mich mal jemand ernst nimmt, hätte ich nie gedacht. So wie ich aussehe… Mit dieser Frisur… Und diesen Klamotten.“

„Aber Sie können mir doch nicht einfach irgendeinen Unsinn erzählen!“

„Sie hätten ja nicht zuhören müssen.“

„Ich wusste ja noch nicht, dass das alles Unsinn ist!“

„Und woher wissen Sie es jetzt?“

„Weil Sie mir eben verraten habe!“

„Verraten ist ja wohl das falsche Wort. Ich habe nie versucht, es vor Ihnen zu verheimlichen. Aber ich verstehe, was Sie meinen. Hätte ich nichts gesagt, hielten Sie mich immer noch für einen Fachmann.“

„Warum machen Sie so was?“

„Ich belehre halt gern. Nur kenne ich mich in keinem Thema aus. Da sage ich halt irgendwas. Mit erhobenem Zeigefinger. Mir Wissen anzueignen, ist mir einfach zu viel Aufwand. Und außerdem spielt meine Meinung sowieso keine Rolle. Da kann ich mir die Energie zum Lernen auch sparen und mich lieber auf meine Kernkompetenz konzentrieren: vor mich hinreden.“

„Dann war meine Zeit mit Ihnen völlig verschwendet?“

„Mir schien, Ihnen hat das Zuhören großen Spaß gemacht hat. Spaß ist nie eine Verschwendung. Wie heißt es so schön: Genieße den Augenblick!“

„Das hätten Sie aber auch mal vorher sagen können, dass Sie nur Unfug von sich geben. Ich habe mir alles, was Sie sagten, genau behalten. Und jetzt erfahre ich, dass alles nur Mumpitz ist! Wie kriege ich das Zeug denn wieder aus meinem Kopf? Das vergesse ich doch so schnell nicht wieder. Ihr Quark blockiert Speicherplatz in meinem Hirn!“

„Ach, wissen Sie. Der moderne Mensch hat so viel Scheiße im Kopf – auf etwas mehr kommt es da auch nicht mehr an.“

„Und nun?“

„Ich könnte noch etwas zu Griechenland sagen.“

„Dann los.“

Written by januwefitz

August 17th, 2015 at 10:42 pm

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