Taubenvergrämer aus aus aus

Ach, nee, doch nicht

Vorgestern im Speisewagen

“Darf ich Sie was fragen?”
“Natürlich.”
“Warum muhen Sie?”
“Ich muhe?”
“Seit Sie eingestiegen sind.”
“Echt? Wie peinlich.”
“Sie haben nicht mit Absicht gemuht?”
“Nein.”
“Ich frage nur, weil ich auch mal gemuht habe. Allerdings mit Absicht. Das war damals eine bewusste Entscheidung. Ich hatte zu der Zeit panische Angst, falsch verstanden zu werden. Da dachte ich mir: Wenn ich muhe, kann mir niemand das Wort im Mund verdrehen.”
“Eine ungewöhnliche Maßnahme. Aber schlau.”
“Sicher ist sicher.”
“Und wie haben Ihre Gesprächspartner reagiert?”
“Die meisten haben es nicht gemerkt. Haben einfach weiter geplappert.”
“Warum haben Sie denn nicht einfach geschwiegen? Warum das Gemuhe?”
“Irgendwie musste ich doch zeigen, dass ich zuhöre. Wollte ja nicht unhöflich sein.”
„Und das hat was gebracht?”
„In der Zeit hat mir niemand vorgeworfen, ich wäre ein Nazi. Dafür hat es sich schon gelohnt.”
“Interessant.”
“Wussten Sie, dass sich in anderen Ländern noch Freunde zum Abendessen treffen, über Politik diskutieren und am Ende des Abends immer noch Freunde sind?”
“NEIN! Echt? Wie altmodisch. Das gibt es bei uns ja schon seit Jahren nicht mehr!”
“Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal einem alten Freund Nazisympathien unterstellt habe. Weil er nicht meiner Meinung war. Seitdem haben wir nie wieder miteinander gesprochen.”
“So gehört sich das ja auch.”
“Ich weiß gar nicht, wie man ohne Nazivorwürfe diskutieren kann.”
“Muhen also… interessant… Das muss ich mir merken.”
“Ich kann es nur empfehlen.”

Written by januwefitz

November 26th, 2016 at 6:42 pm

Posted in Allgemein

Gestern im Speisewagen

Mann 1: „Darf ich Sie etwas fragen?“
Mann 2: „Natürlich.“
M 1: „Warum sprechen Sie mit Ihrem Chili con carne?“
M 2: „Ich spreche nicht mit meinem Chili con carne. Ich spreche in mein Chili con carne.“
M 1: „Verstehe… Darf ich Sie noch etwas fragen?“
M 2: „Natürlich.“
M 1: „Warum sprechen Sie in Ihr Chili con carne?“
M 2: „Weil mir mein Handy reingefallen ist.“
M 1: “Verstehe… Darf ich Sie noch etwas fragen?”
M 2: “Sie sind aber verdammt neugierig. Aber gut.”
M 1: „Warum holen Sie das Handy nicht wieder raus?”
M 2: „Das würde ich ja gerne. Aber ich kann da nicht reingreifen. Ich ekel mich vor Chili con carne.“
M 1: „Verstehe… Ungewöhnlich, dass Sie es dann überhaupt bestellt haben.
M 2: „Hm… stimmt… jetzt, wo Sie es sagen…“
M 1: „Bestellen Sie öfter Sachen, vor denen Sie sich ekeln?“
M 2: „Nein. Das war das erste Mal.“
M 1: „Und ausgerechnet dann fällt Ihnen Ihr Telefon rein! Mensch, Sie haben aber auch ein Pech!“
M 2: „Dabei hatte ich so gehofft, dass 2016 mein Glücksjahr wird.“
M 1: “WAS? Wir haben schon 2016?”
M 2: “Seit drei Jahren.”
M 1: “Dann hat dieser Zug mittlerweile schon vier Jahre Verspätung.”
M 2: „Wo wollen Sie denn hin?“
M 1: „Da habe ich mir bewusst keine Denkverbote auferlegt.“
M 2: „Mir wäre es lieb, wenn Sie so bald wie möglich aussteigen würden.“
M 1: „Warum?“
M 2: „Ich schätze Ihre Anwesenheit nicht besonders.“
M 1: „Dann steige ich am besten sofort aus.“
M 2: „Das wäre natürlich nett.“
M 1: „Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie Ihr Handy wiederbekommen.“
M 2: „Mögen Sie eigentlich Chili con Catne?”
M 1: „Und wie! Mein Leibgericht!“
M 3: „Wollen Sie es dann nicht essen? Zumindest so viel, dass ich an mein Handy komme?“
M 1: „Wäre das denn für Sie o.k.?“
M 2: „Wenn Sie es dann auch bezahlen: natürlich.”
M 1: „Ich müsste es aber mitnehmen und Zuhause essen. Ich steige ja jetzt aus.”
M 2: “Kein Problem. Schicken Sie mir einfach Ihre Adresse per SMS aufs Handy, dann hole ich das Gerät in den nächsten Tagen bei Ihnen ab.”
M 1: “Welche Nummer?“
M 2: „Kenn ich nicht auswendig. Am besten rufen Sie mit dem Handy aus meinem Chili von carne auf Ihrem Handy an. Dann wird die Nummer angezeigt.“
M 1: „So machen wir das. Herr Ober! Die Rechnung für den Herrn, bitte! Ich übernehme das!”

Written by januwefitz

November 25th, 2016 at 7:48 pm

Posted in Allgemein

Meine seltsamsten Besucher, Teil 2.309

Es klingelt. Ich öffne und stehe John Travolta gegenüber.
“Kuckuck!“, begrüßt er mich.
„Kuckuck…“, antworte ich misstrauisch.
„Wie isses?”, fragt John Travolta.
“Gut…“, entgegne ich immer noch misstrauisch.
“Geschieht Ihnen recht!”, sagt John Travolta freundlich lächelnd.
Wir sehen uns einen Moment lang stumm in die Augen.
“Kennen wir uns?”, frage ich John Travolta.
“Nö”, antwortet er.
„Was kann ich für Sie tun?”
“Nix.“
“Und warum haben Sie bei mir geklingelt?”
“Nur so. Muss man für alles, was man tut, auch einen Grund haben?“
“Für’s Klingeln schon.“
„Ich nicht. Ich klingele um des Klingelns Willen. Aus Freude am Klingeln.”
“Warum ausgerechnet bei mir?”
“Schon wieder die Frage nach dem Warum? Das ist ja schon krankhaft.”
“Ich habe für Sie extra das Bett verlassen!“
„Wäre nicht nötig gewesen. Von mir aus hätten Sie gerne liegen bleiben können.“
Mir fehlen die Worte. Ihm nicht.
„Aber wenn Sie unbedingt einen Grund haben wollen: von mir aus. Wie wär’s mit: Machen Sie die Musik aus!”
„?“
„Sofort. Sonst rufe ich die Polizei!“
„Bei mir läuft keine Musik.”
“Jetzt seien Sie doch nicht so bockig! Wer wollte denn einen Grund haben?“
„Hat sich erledigt.“
„Sie sind aber launisch!“
“Was sagen denn die anderen Leute, wenn Sie bei denen einfach so klingeln?”
“Nichts Nettes“, antwortet John Travolta. „Die Deutschen stehen dem Klingeln um des Klingelns Willen leider noch ziemlich skeptisch gegenüber. Das ist in anderen Ländern anders.“
„Ach ja? In welchen?“
„Fast überall.“
„In Italien?“
„Da zufällig nicht.“
„In England?“
„Da zufällig auch nicht.“
„Frankreich?“
„Sie treffen aber auch zielsicher die Ausnahmen. Oder machen Sie das mit Absicht?“
„…“
„Wissen Sie, ob Ihre Nachbarn zuhause sind?
“Keine Ahnung. Klingeln Sie einfach.“
„Na, toll. Das haben Sie mir ja jetzt versaut.“
„Was?“
„Sie haben mich aufgefordert, zu klingeln. Damit hätte ich einen Grund. Und ich klingele doch nur grundlos.“
„Machen Sie, was Sie wollen…“
„Ich klingele bei Ihren anderen Nachbarn.“
„Grüßen Sie sie von mir.”
“HEY! JETZT HÖREN SIE DOCH MAL AUF! Ihre Nachbarn von Ihnen zu grüßen, wäre auch ein Grund! DENKEN SIE DOCH MAL MIT! ODER IST DAS ZUVIEL VERLANGT? SIND SIE ZU DUMM DAFÜR? DAS IST DAS PROBLEM, WENN MAN IRGENDWO KLINGELT: MAN TRIFFT MANCHMAL DIE LETZTEN VOLLPFOSTEN!”

Das anschließende Handgemenge ging von mir aus.

Written by januwefitz

November 14th, 2016 at 11:10 pm

Posted in Allgemein

Gegendarstellung

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Arthur Schopenhauer hätte die Polonäse erfunden. Das ist aber nicht korrekt. Richtig ist: Sie ist ihm zugelaufen. Ich freue mich, dass ich das an dieser Stelle einmal klarstellen kann. Und ich freue mich nun wirklich nicht oft.

Written by januwefitz

November 11th, 2016 at 8:17 pm

Posted in Allgemein

Vorwürfe entkräften für Fortgeschrittene

“Du hast mich erst benutzt und dann einfach weggeworfen!”
“Das macht man heute so.”
“Ach so. Dann will ich nichts gesagt haben.”

Written by januwefitz

November 9th, 2016 at 3:22 am

Posted in Allgemein

1913. Die medizinische Revolution kommt nicht so recht in die Puschen.

Die medizinische Revolution beginnt im Taunus. Von Limburg aus erobert sie die Welt, von hier aus verbreiten sich ihre Ideen wie ein Lauffeuer in alle Himmelsrichtungen und fegen das Althergebrachte gnadenlos weg.
So jedenfalls malt sich das ihr geistiger Vater Wilhelm Draxler aus. Derzeit wirkt die die Gute allerdings noch etwas hüftsteif. Oder Limburg gefällt ihr so gut, dass sie noch keine Lust hatte, sich auf die Reise zu machen. Draxlers Prafisräume hat sie bisher nicht verlassen.

Aber das kommt noch. Davon ist Draxler überzeugt. Sobald seine Lehren die anfängliche Skepsis der Patienten überwunden haben und der Erste mutig genug ist, um sich von dem Jungen Arzt behandeln zu lassen, ist der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.

Bisher war dazu leider noch niemand bereit. Alle Patienten reagierten ausnahmslos skeptisch bis feindselig auf Draxlers Versuche, sie von einer Behandlung nach seiner Methode zu überzeugen. Die Gespräche liefen alle gleich: Der Patient schilderte sein Leiden, lauschte geduldig Draxlers Ausführungen, wie ihm am besten zu helfen sei, und zeigte dem Arzt den Vogel. Die Praxis betrat niemand ein zweites Mal.

Seit Monaten geht das schon so. Doch Draxler gibt nicht auf. Revolutionäre Ideen brauchen eben Zeit, bis sie sich durchsetzen. Und Fortschritte sind zweifellos erkennbar.
Der Patient, der jetzt vor ihm sitzt, zeigt als Erster eine Spur von Interesse.

“Habe ich Sie recht verstanden?”, fragt er Draxler, nachdem der Arzt seine Ausführungen beendet hat. “Sie wollen meinen Juckreiz nicht heilen?“
Der Arzt nickt und bestätigt:
“Genau.”
Sein Gegenüber denkt kurz nach, dann hakt er nach:
“Warum nicht?”
Draxler lehnt sich auf seinem Stuhl zurück, verschränkt die Arme vor der Brust und sagt:
“Weil ich Heilung aus ethischen Gründen ablehne. Sie ist ein Verbrechen gegen die Natur.”
“Aha”, antwortet der Patient. “Und ich dachte immer, sie sei der Sinn des Arztberufs.”
“Es gibt solche und solche”, sagt Draxler. “Ich vertrete einen völlig neuen medizinischen Ansatz. Ich heile nicht, ich vermittle – zwischen Menscb und Krankheit. Ich propagiere ein neues Verständnis von Krankheit. Für mich sind Krankheiten Geschöpfe Gottes, denen mir Respekt und Demut zu begegnen ist. Und Heilung im Endeffekt nichts anderes als die rücksichtslose Vernichtung der Krankheit. Nur weil Ihr Juckreiz Ihnen lästig ist, muss man ihn doch nicht vernichten. Der Juckreiz tut schließlich nur, wozu Gott ihn geschaffen hat: Er juckt.”
“Aber ausgerechnet in meinem Hintern! Ich werde noch ganz verrückt! Ich halte das einfach nicht aus!”
“Und meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Sie es aushalten. Sie zu lehren, den Juckreiz anzunehme und als Teil von sich selbst zu akzeptieren. Und ihn nicht als Fremdkörper zu sehen, sondern als Bereicherung ihres Daseins. Ich will, dass Sie Freude am Juckreiz haben. Harmonisch mit ihm zusammenleben. Ob der Mensch eine Krankheit als Leid oder als Geschenk empfindet, liegt ganz bei ihm selbst. Das Gefühl ist kann man nicht beeinflussen, aber wie der Patient es bewertet – das schon. Ich arbeite mit meinen Patienten an ihrer Einstellung zu ihrer Krankheit, dass sie sie als Chance begreifen und eine positive Beziehung dazu entwickeln. Der Juckreiz ist nicht Ihr Feind, sondern Ihr Freund. Inspiration, Muse, Gesprächspartner. Am Ende können Sie sich ein Leben ohne Juckreiz gar nicht mehr vorstellen.”
“Und wie lange dauert das?”
“Das ist bei unterschiedlich. Im Schnitt um die 4 Wochen.”
“Ich muss diesen höllischen Juckreiz als vier Wochen lang als höllischen Juckreiz ertragen, “Aber dann werden Sie ihn nicht mehr missen wollen.”
“Das ertrage ich nicht.”
“Die Therapie beginnt auf Wunsch sofort mit Anwendungen, die Ihr Empfinden bereits ändern.”
“Ah!”
“Wir beginnen mit einem lockeren Kratzen an den juckenden Stellen und Sie sagen dabei immer wieder ‘Juckreiz, ich hab dich lieb.’
Ich begleite das mit ‘Froh zu sein bedarf es wenig.’
Danach kratzen Sie die Stelle, die am heftigsten juckt und sagen ‘Du juckst nicht, du juckst nicht.’ Ich spiele dabei Spitz pass auf.”
“Spitz pass auf?”
“Das hat nichts mit der Therapie zu tun. Damit überbrücke ich nur die Wartezeit.”
“Ach so.”
“Nun folgt ein historischer Überblick. Die Geschichte des Juckreizes – von seiner Entdeckung durch Christiph Kolumbus, der eigentlich Asthma entdecken wollte, bis zum Hollywood-Film “Krieg der Juckreize” mit Juck Norris.
Anschließend verrate ich Ihnen noch, welche Berühmtheiten ebenfalls vom Juckreiz geküsst worden sind und dass sie stolz darauf sein können, einer von ihnen zu sein.
Zum Schluss verfassen Sie ein Liebesgedicht an den Juckreiz, das mit den Zeilen beginnt:
Weder Hilde, Karla noch Irene,
der Juckreiz ists, wonach ich mich sehne!”
“Aha”, antwortet der Patient.
“Wollen wir gleich loslegen?”
“Erst möchte ich kurz zu einem Arzt gehen, der Heilung nicht ablehnt. Wenn es nicht mehr juckt, komme ich mit einem harmloseren Leiden zurück, ok?”
“Versprochen?”
“Versprochen.”
“Ich freue mich so auf Sie.”

Written by januwefitz

Oktober 14th, 2016 at 1:33 pm

Posted in Allgemein

Die 10. Silvesterparty des Vereins deutscher Partymuffel, im Jahre 1913

2 Kommentare

Written by januwefitz

Oktober 9th, 2016 at 9:08 am

Posted in Allgemein

Letzte Gespräche (das 54. von 12.)

„Übrigens: Das ist das letzte Gespräch meines Lebens.“

„Na und?“

„Sie haben die Ehre, mein letzter Gesprächspartner zu sein.“

„Das bedeutet mir absolut gar nichts.“

„Ich dachte, ich sag’s mal…“

„War’s das?“

„Nur noch Ihre Fahrkarte, bitte.“

„Endlich. Die Emo-Offensive der Bahn geht mir langsam auf die Nüsse.“

Written by januwefitz

August 18th, 2016 at 6:34 pm

Posted in Allgemein

Meine 50 nettesten Gespräche

unspecified

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe nichts gegen Gespräche. Für mich persönlich sind sie aber nichts. Ich kann den Hype, der darum gemacht wird, nicht nachvollziehen. Die meisten Gespräche, um die ich im Laufe meines Lebens nicht herumgekommen bin, waren weder unterhaltsam noch nützlich, im Gegenteil, sie waren qualvoll und kontraproduktiv, brachten mir nur Scherereien und Probleme.

Es gibt allerdings ein paar wenige Ausnahmen. Von Zeit zu Zeit kam es zu Unterhaltungen, die ich als recht erträglich empfand und an die mich auch Jahre später zwar nicht gern erinnere, aber zumindest ohne vor Scham im Erdboden versinken zu wollen oder mich immer noch grün und blau zu ärgern.

50 dieser Gespräche folgen in loser Reihenfolge auf diesem Blog.

Den Anfang macht ein Gespräch, das ich am 26.6.1998 mit einem Düsseldorfer Bäcker geführt habe und in dem ich einiges über das faszinierende Thema Brötchen gelernt habe.

“Ich hätte gerne Backwaren”, begann ich die Unterhaltung, nachdem ich die Bäckerei betreten hatte.

“Irgendetwas Bestimmtes?”, fragte der Bäcker.

Ich überlegte kurz und antwortete:

“Etwas Brötchenhaftes wäre schön.”

Der Bäcker atmete tief ein und wieder aus. Dann sagte er:

„Auf diesem Gebiet haben wir eine riesige Auswahl“

“Oje“, entfuhr es mir. „Das habe ich befürchtet. Ich kann mich so schwer entscheiden. Ich hatte gehofft, Sie haben vielleicht nur eine Brötchensorte.”

„Das kenn ich!”, sagte der Bäcker und blickte verständnisvoll. „Optionsparalyse! Das hab ich auch. Wenn mehr als ein Kunde im Laden ist, kann ich mich einfach nicht entscheiden, wen ich bedienen soll.“

„Warum bedienen Sie nicht einfach den, der am längsten wartet?”

“Hm…”, grübelte der Bäcker. “Gute Idee. Das probier ich mal.”

Nachdenklich begutachtete ich die Brötchen in der Auslage.

„Hm… Wenn ich nur wüsste, welche Brötchensorte ich nehmen soll?“

“Warum nehmen Sie nicht die Brötchen, die schon am längsten in der Auslage liegen?”

„Ich weiß nicht recht…“

“Darf ich fragen, was Sie mit den Brötchen vorhaben?”

“Essen.”

“Na, das grenzt die Auswahl doch schon mal ein.”

“Was kann man denn mit Brötchen sonst noch machen außer essen?”

“Sammeln.”

“Ach?”

“Na, klar. Briefmarkensammler kaufen Briefmarken ja auch nicht, um damit Briefe zu frankieren – sondern sammeln sie in Alben und nutzen diese, um Frauen abzuschleppen. So machen es auch Brötchensammler: Sie essen die Brötchen nicht, sondern sammeln sie.”

„Um damit Frauen ins Bett zu kriegen?“

„Zum Beispiel.“

“Ich möchte aber lieber Brötchen zum Essen kaufen. Können Sie mir etwas empfehlen?

“Sonnenblumenbrötchen!”

“Sind die etwas Besonderes?”

“Nö. Aber zum Empfehlen langt’s.”

“Sind Ihre Sonnenblumenbrötchen besser als die von anderen Bäckern?”

“Definieren Sie andere.

“Zum Beispiel als die vom Bäcker nebenan?”

Er guckt mich überrascht an.

„Nebenan ist ein Bäcker???”

“Zwei sogar“, antworte ich. „Einer links, einer rechts.”

“Scheiß Kapitalismus. Ist das hier die längste Brötchentheke der Welt oder was?“

Er geht vor die Tür seines Ladens, schaut nach links und rechts und kehrt wieder hinter den Verkaufsthresen zurück.

„Sie haben Recht. Beide Nachbarn: Bäckereien.“

Er blickt eine Weile nachdenklich aus dem Schaufenster in die Ferne, dann sagt er:

„Aber um Ihre Frage zu beantworten: sehr viel besser!”

“Und das sagen Sie nicht nur, damit ich Ihnen welche kaufe?”

“Na, hören Sie mal! So ein Bäcker bin ich nicht! Wenn meine Sonnenblumenbrötchen schlechter wären als die der Konkurrenz, würde ich das auch zugeben. Ich gebe ja auch zu: Mein Weizenmischbrot ist scheiße. Kriegen Sie überall ein Besseres.”

“Dann nehme ich zwei Weizenmischbrote, bitte.”

“Gerne. Soll ich sie einpacken?

“Nein. Ich esse sie selbst.”

“Warum machen Sie sich nicht selbst mal eine kleine Freude?”

“O.k. Packen Sie sie doch ein.”

“Andererseits… wenn Sie schon wissen, was drin ist… ist ja schon etwas öde.”

“Ok. Packen Sie doch nicht ein.”

“Ich könnte höchstens noch eine Kleinigkeit dazu legen.  Eine Überraschung. Ohne Ihnen zu verraten, was.”

“Ok. Packen Sie sie doch ein.”

“Gucken Sie mal kurz weg…. So.”

“Und was macht das?”

“40 Euro.”

“Für zwei Weizenmischbrote?”

“Und eine Überraschung!”

“Wie teuer ist die Überraschung denn?”

“Lassen Sie sich überraschen.”

“Mir reicht auch eine kleine Überraschung.”

“Vielleicht ist die Überraschung ja klein.”

“Und warum kostet der Spaß dann 40 Euro?”

“Lassen Sie sich überraschen.”

“Ich verzichte lieber auf die Überraschung.”

“Das ist sehr schlau von Ihnen.”

“Was wäre die Überraschung denn gewesen?”

“Eine tote Wespe.”

“Was haben Sie außer Brötchen sonst noch so im Programm?”

“Croissants.”

“Aus eigener Schlachtung?”

“Sehe ich aus wie ein Schlachter?”

“Also nicht aus eigener Schlachtung.”

“Nein.”

“Dann geben Sie mir zwei.”

“Holen Sie sich die selbst.“

“Ach? Ist das eine Self Service Bäckerei?”

“Nö, aber ich bin ein Faule-Sau-Bäcker.”

“Wissen Sie was? Sie gefallen mir. Ab sofort sind Sie mein Stammbäcker.”

“Wenn Sie noch mal meinen Laden betreten, erschieße ich Sie.”

“Das kann man aber auch freundlich sagen.”

“Du noch mal Tippel-Tippel Klingeling, ich: Peng!”

“Da freu ich mich jetzt schon drauf.”

 

 

Lesen Sie das nächste Mal: Mein Gespräch mit den Zeugen Travoltas.

Written by januwefitz

Juli 18th, 2016 at 2:41 pm

Posted in Allgemein

Selbsterkenntnis

Seit 2 1/2 Jahren weiß ich, dass ich hochunerträglich bin. Von den rund 20 bis 25 % der Bevölkerung, die diesen Wesenszug tragen, gehöre ich noch einmal zu einer Minderheit: Denn zwei Drittel der Hochunerträglichen riechen unauffällig, nur etwa 30 Prozent streng und beißend. Zu den letzteren gehöre ich.

Wie alle Menschen ist auch jeder Hochunerträgliche ein selbstverliebter Ignorant. Von daher lassen mich die folgenden Ausführungen, so schonungslos sie auch sein möchten, mich immer noch in einem zu hellen Licht erscheinen.

Schon früh in meinem Leben habe ich gemerkt, dass ich anders auf Menschen wirke als die meisten Menschen um mich herum. Sobald ich einen Raum betrete, schlagen mir tiefe Abneigung und Ablehnung entgegen und fliegen Gegenstände in meine Richtung. Allein meine Anwesenheit ist für viele Menschen ein rotes Tuch, schon mein Anblick eine Provokation, Auslöser tiefempfundenen Hasses. Wohin ich auch gucke: rollende Augen, genervtes Stöhnen, gezischte Drohungen, mich keinen Schritt mehr zu nähern.

Ich ignoriere diese geballte Ablehnung aber einfach und beweise umgehend, dass jede Aversion gegen mich völlig gerechtfertigt ist. Ich huste und niese andere Leute an, äffe ihr Lachen nach oder weise sie wieder und wieder auf ihre Schwächen, Fehler und körperlichen Defizite hin. Ich erzähle ihnen, was sie besser nicht wissen sollten, weil es sie verletzt und mache sie mit Geschichten lächerlich, die sie in ihrer ganzen menschlichen Erbärmlichkeit zeigen. Und das ausnahmslos vor Dritten, Vierten und so vielen Zuschauern wie möglich. Unter vier Augen bleibe ich nicht länger als für die Dauer von zwei, drei Beleidigungen mit ihnen zusammen. Dann drehe ich ihnen einen Brustnippel um und zünde mir eine Zigarette an, obwohl ich nicht rauche. Nur um ihnen mit dem Rauch zuzusetzen und ihre Gesundheit durch Passivrauchen zu schädigen.

Heute weiß ich: Das alles liegt an einer tieferen Empfänglichkeit für menschliche Verlogenheit und Heucheleu. Ich glaube in der gleichen Zeit viel weniger von dem Scheiß, den Menschen erzählen, als die meisten meiner Mitmenschen – als würde ich jedes Wort durch einen inneren Lügendetektor laufen lassen. Schwätzer, die von anderen fordern, was sie selbst als Letztes tun würden, wecken in mir den unbändigen Drang, irgendjemand anderen dafür büßen zu lassen. Nicht anders ergeht es mir bei öffentlichen Appellen von Wichtigtuern, die von ihren Minderwertigkeitskomplexen getrieben relevant wirken wollen, oder regelmäßig 3000 bis 5000 Anschläge veröffentlichen müssen, damit sie pünktlich ihr Honorar beziehen. Dass meine Ausbrüche immer die Falschen treffen, ist mir völlig egal. Hauptsache, ich fühle mich danach besser. Schon mein Vater, ebenfalls eine extreme Nervensäge, sagte: “Bevor du auf irgendjemanden Rücksicht nimmst, erschieß dich lieber.”

Wenn ich zufällig zwei Menschen bei einer Unterhaltung erwische, kann ich nicht anders, als mich zu ihnen zu gesellen und zu stören. Dabei ist alles erlaubt. Gesang, körperliche Attacken, das Werfen mit Gegenständen.

Die meiste Zeit aber bin ich grundlos hochunerträglich. Einfach nur, weil ich Lust darauf habe, anderen auf den Sack zu gehen.

Sogar ich selbst kann mich nur schwer ertragen. Oft gar nicht.  Dann sperre ich mich stundenlang ins Klo und lasse mich erst wieder raus, wenn ich aufs Klo muss. Anschließend mache ich ins Wohnzimmer und gönne es mir von Herzen.

 

Written by januwefitz

Juni 12th, 2016 at 11:58 am

Posted in Allgemein